Kultur ist nicht der Hauptschwerpunkt des Schweizer Bildungssystems

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Bildungssysteme sind stark von der Kultur beeinflusst und das Schweizer Bildungssystem ist keine Ausnahme von dieser Regel. Das Schweizer Bildungssystem spiegelt die gemischten Gefühle wider, die viele Schweizer gegenüber ihrer Erstsprache und der Kultur ihrer großen europäischen Nachbarn haben. Es steht auch in engem Zusammenhang mit der politischen Kultur des Landes, seiner Geschichte und bestimmten psychologischen Eigenschaften.

Der Kampf der Schweizer mit ihrer ersten Sprache

Die Schweizer sind weniger leidenschaftlich über ihre Hochkultur als andere Länder, weil viele wichtige Aspekte entlehnt sind. Es gibt nicht einmal eine Landessprache, und viele Schweizer haben das Gefühl, dass ihre offizielle Sprache, mit Ausnahme von Romantsch, von großen Nachbarnationen viel besser gesprochen wird. Tatsächlich ist die echte und immens beliebte, aber inoffizielle Landessprache Englisch. Viele Deutschschweizer würden das Deutsche gerne für das Englische aufgeben und sich gerne vom Französischen trennen, eine Sprache, die sie oft noch mehr verabscheuen als das Hochdeutsche. Die französisch- und italienischsprachigen Schweizer sind stolzer auf ihre erste Landessprache, ungeachtet einiger Regionalismen, die das Französisch eines Waadtländers vom Französisch eines Parisers oder das Italienisch eines Tessiners von dem eines kultivierten Florentiners unterscheiden. Deutsch lernen sie mit begrenztem Enthusiasmus, wohl wissend, dass die Deutschschweizer in ihre Dialekte verfallen und sich mit dem Hochdeutschen fast so sehr abmühen wie sie selbst. Es spricht Bände, dass die Romands das Hochdeutsch der Deutschen "le bon allemand" (das gute Deutsch) nennen, im Gegensatz zu den schweizerdeutschen Dialekten, für die sie eine Reihe von weniger schmeichelhaften Namen haben.

The German-speaking Swiss feel particularly awkward speaking and writing their first language, which they learn as a second language, after acquiring one of the numerous Swiss-German dialects in their infancy. Linguists call this “diglossia” (a standard variety for reading and writing, and a second variety for oral everyday communication and text messages). There are substantial differences between High German and Swiss German in vocabulary, syntax and pronunciation. In essence, Swiss-German dialects precede the second vowel shift in the Middle Ages and therefore resemble Middle High German or the English of Chaucer. To the Welsh and the Irish this may seem second nature, but to the English it comes as a shock when they discover that High German alone will not be enough.

Deutschsprachige Schweizer haben gemischte Gefühle gegenüber Deutschland, die sich bei der jüngeren Generation nur langsam bessern. In dem Moment, in dem sie gezwungen sind, Hochdeutsch zu sprechen, fühlen sie sich den Deutschen unterlegen und sind sich der offensichtlichen Clownhaftigkeit ihres Schweizer Akzents (die Deutschen lieben ihn!), der peinlichen Pausen, in denen sie nach den "richtigen" deutschen Wörtern tasten, und der Fallstricke, in einen längeren Satz mit all seinen grammatikalischen Gefahren einzusteigen, sehr bewusst. Schon die Relativpronomen sind eine Gefahr (sie haben die Angewohnheit, Relativsätze mit dem mundartlichen "wo" zu beginnen, statt mit dem hochdeutschen "der", "die" oder "das"), ganz zu schweigen vom Genitiv oder dem Präteritum, die es im Schweizerdeutschen gar nicht gibt (die schweizerdeutschen Dialekte leben vom Perfekt).

Die umgekehrte Beredsamkeit der Schweizer

Swiss politicians speaking German have to sound as provincial as possible, use dialectal vocabulary and make frequent grammatical and stylistic errors to appeal to their voters. Though a number of members of parliament are probably able to speak excellent High German without an accent, they will be careful never to let anyone know. In the 1970s there was a Federal Councillor, Mr Furgler, who was so notorious for his polished High German that he was nicknamed “Müüli” (little mouth). His facial muscles and lips would contract as if he were trying to give his audience a peck on the cheek.

Die Schweiz ist ein unerkannter Kulturgigant

Das Schriftdeutsch der deutschsprachigen Schulabgänger, das Französisch der Romands und das Italienisch der Tessiner sind ohne weiteres auf dem Niveau der Erstsprachen der großen europäischen Nachbarn. Eine erstaunliche Anzahl grosser deutschsprachiger Schriftsteller wurde entweder in der Schweiz geboren oder lebte und arbeitete den grössten Teil ihres Lebens dort, wie Jeremias Gotthelf, Gottfried Keller, Hermann Hesse, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und in jüngerer Zeit Martin Suter, und ihre grössten Werke machen wahrscheinlich etwa ein Drittel aller gesetzten Texte an den Schulen der deutschsprachigen Länder aus. Und vergessen wir nicht einige der bekannten Schriftsteller der "la Romandieˮ und des Tessins - wie Ferdinand Ramuz und Giorgio Orelli.

In der klassischen Musik und Kunst können sich die größeren Städte der Schweiz mit den viel größeren führenden Städten Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands, Italiens und Österreichs messen. Mehrere Generationen von Schweizer Milliardären haben dazu beigetragen, einige der besten Kunstsammlungen der Welt zusammenzustellen, darunter die der Fondation Beyeler in Basel, des Centre Gianadda in Martigny, die Sammlungen der Fondation Bührle in Zürich und der Fondation Oscar Reinhardt in Winterthur, die zusammen leicht so viele bedeutende französische Impressionisten besitzen wie das Musée D'Orsay in Paris, ganz zu schweigen vom Cortauld Institute in London. Wenn die staatlichen Museen der Schweiz ihre Picassos zusammenlegen würden, von denen ihnen viele von lokalen Magnaten geschenkt wurden, würden sie die Tate ausstechen.

In der klassischen Musik hat die Schweiz viel zu bieten. Die Opernhäuser von Zürich, Basel und Genf spielen in der gleichen Liga wie die Royal Opera Covent Garden, die Scala und das Wiener Opernhaus. Die Theater von Zürich, Basel und Genf bieten Schauspiel auf einem Niveau, wie man es nur in Städten wie Berlin, Wien und Paris findet. Die Sinfonieorchester von Zürich und Basel, die Lucerne Festival Strings und das Orchestre de la Suisse Romande gehören wohl zu den besten klassischen Orchestern der Welt, und das Lucerne Festival ist mittlerweile auf Augenhöhe mit dem Salzburger Mozartfest. Dann gibt es noch das weltberühmte Montreux Jazz Festival - die Liste ist wirklich endlos.

Warum nur wenige junge Schweizer dies wissen oder sich darum kümmern

Part of the answer may be the traditional Swiss valuation of craftsmanship, engineering and technology, along with a disregard, particularly in German-speaking Switzerland, for arts, languages and humanities. The roots of Switzerland are after all in farming in the countryside and crafts and trade in the towns. Socially, the driving force of most Swiss cantons from the Middle Ages onwards was the middle class with its livery companies (“Zünfte”). Only a few cantons – like Berne, Basel and possibly Geneva – have a more feudal tradition. For most of its history Switzerland was fighting for its survival and found both crafts and trade more helpful than Latin poetry. Only in the second half of the 20th century did Switzerland become wealthy enough to afford high culture for the majority of the population.

Warum hat sich die Gleichgültigkeit gegenüber der Kultur seit dem Jahr 2000 vertieft?

In the 1980s, the Zurich Youth Theater Club counted more than 2,000 members, with a fair number of commercial apprentices. Large groups of teenagers met at the Schauspielhaus and the Zurich Opera House to sit through a one-hour introduction to Wagner’s Parsifal or Gounod’s Faust before witnessing the production and going backstage to meet the actors and singers. After the year 2000 membership dwindled to insignificance and the club ceased to exist. Doubtless, the advent of social media and computer games together with the proliferation of mobile phones, home computers and play stations turned a majority of adolescents into addicts. It was also at that time that both primary and secondary schools had to grapple with more subjects, leaving less time and energy for literature and culture. While academic elite schools (“Gymnasium”, “lycée”, “liceo”) continue to cherish Europe’s cultural heritage, Swiss secondary schools have had to let go of much of the teaching of culture. At lower secondary and vocational schools, students who play musical instruments are often regarded as “uncool”, and lovers of literature hide their books from their peers.


Geschrieben von Robin Hull, Autor von 'A Guide to the Swiss educational system'.
This is an excerpt from the only overview of the Swiss educational system in English currently in existence for parents with an international background. It can be ordered on www.guideto.ch

Geschrieben von

Hull's Schule Zürich

Hull's School Zurich

Hull's School ist das erste englische College in Zürich für Teenager. Das vierjährige College-Programm wird in englischer Sprache unterrichtet (mit Ausnahme der modernen Sprachen) und umfasst die Fifth und Sixth Forms (Jahrgangsstufen 10 bis 13) in Großbritannien. Die Schüler werden auf IGCSE- und A-Level-Prüfungen vorbereitet.